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Forschung ist in den vergangenen Jahrzehnten betrieben worden, um
die Auswirkungen regelmäßigen Cannabiskonsums auf das
Gehirn zu untersuchen. Wissenschaftler sprechen von neurokognitiven
Störungen, der Volksmund sagt dazu einfach Verblödung.
Wie schlimm sind die Folgen dauerhaften Cannabiskonsums tatsächlich?
Unbestritten
ist, dass ein akuter Cannabisrausch einen nicht gerade förderlichen
Einfluss auf das Kurzzeitgedächtnis hat. Man vergisst, was
man vor fünf Minuten gesagt hat oder weiß mitten im
Satz nicht mehr, was man sagen wollte. Das Gehirn ist im Ausnahmenzustand.
Mit dem Nachlassen der Wirkung jedoch, nehmen die grauen Zellen
in der Regel wie gewohnt ihre Arbeit wieder auf.
Bei Konsumenten,
die regelmäßig konsumieren, können sich Konzentrationsprobleme
allerdings zu einer dauerhaften Begleiterscheinung entwickeln. Ein
Forum-Teilnehmer auf www.cannabis-archiv.de schildert das so: Im
letzten Sommer habe ich ein bis eineinhalb Wochen ein wenig mehr
gekifft als normal (2-3 Tüten/Tag), weil ich mit dem Zigaretten-Rauchen
aufgehört habe. Nun bin ich seitdem ständig müde
und leide ab und an unter einer Konzentrationsschwäche. Ich
habe mich extra schon von einem Neurologen untersuchen lassen, aber
nachdem er keine Beeinträchtigungen festgestellt hat und ich
ihm das häufige Kiffen gebeichtet habe, hat er meine Probs
natürlich sofort darauf geschoben. Nun habe ich schon seit
geraumer Zeit den Verdacht, dass es am Kiffen lag und habe es jetzt
schon seit 7 - 8 Monaten komplett eingestellt, doch die Probleme
bestehen weiterhin.
Ob dauerhaftes
Kiffen auch langfristig und unumkehrbar zu Gehirnschäden
führt, ist in der Forschung umstritten. Frühere Untersuchungen
deuteten darauf hin, dass chronische Cannabiskonsumenten geringere
Leistungen in Intelligenztests erbringen, doch viele dieser Studien
weisen methodische Mängel auf, die keine eindeutigen Rückschlüsse
auf den Effekt des Cannabiskonsums zulassen. Eine 2003 veröffentlichte
Metaanalyse macht dies deutlich: Von den 1.014 identifizierten
Studien, in denen neurokognitive Funktionen bei Cannabiskonsumenten
untersucht wurden, konnten lediglich 15 methodische Kriterien
erfüllen, die zuverlässige Ergebnisse gewährleisten.
In ihrer Metaanalyse kommen die Autoren erstaunlicherweise zu
dem Ergebnis, dass chronischer Cannabiskonsum keine gravierenden
Hirnschäden nach sich zieht. Überraschenderweise
haben wir kaum Hinweise für gesundheitsschädliche Effekte
(bezogen auf Hirnleistungen) gefunden. Einzige Ausnahme ist ein
äußerst kleiner Effekt beim Lernen neuer Informationen,
sagte Prof. Igor Grant, Leiter der Studie.
Kann nun generell
Entwarnung gegeben werden? Eine ebenfalls 2003 veröffentlichte
Studie zeigt auf, dass man differenzieren muss, da möglicherweise
das Alter der Konsumenten eine Rolle spielt. In der Studie wurde
Ratten, die sich noch in der Pubertät befinden, 25 Tage lang
eine hohe Dosis eines Cannabinoids (WIN 55,212-2) verabreicht.
Es zeigte sich, dass die regelmäßige Verabreichung
des Cannabinoids eine deutliche und langfristige Beeinträchtigung
in Verhaltenstests ergab, in denen das Kurzzeitgedächtnis,
Motivation und Aufmerksamkeit untersucht wurden. Artgenossen,
die erst im Erwachsenenalter Cannabis verabreicht bekommen hatten,
wiesen keine Beeinträchtigungen auf. Schlussfolgerung: In
der Pubertät kann Kiffen doch dauerhafte Hirnschäden
verursachen.
Was denkst
du? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht, wie der oben zitierte
Konsument oder wird das alles zu sehr dramatisiert?
Bei
Jugendlichen
Auch im Jugendalter
scheint Cannabis beziehungsweise das 9-THC eine neuroprotektive
Funktion zu haben. Vergleicht man jugendliche Alkoholkonsumenten
mit Konsumenten von Alkohol und Cannabis und Abstinenzlern so
zeigt sich nur bei der Gruppe der reinen Alkoholkonsumenten, dass
ein Hirnvolumenabbau stattfindet.Ungeachtet dieser möglicherweise
positiven neuroprotektiven Aspekten gibt es auch Hinweise, dass
mögliche negative Auswirkungen auf das Gehirn umso stärker
zu befürchten sind, je früher jemand im Jugendalter
in einen regelmäßigen Konsum einsteigt und je intensiver
in dieser Phase des Heranwachsens konsumiert wird. Im Folgenden
sind einige Studienergebnisse wiedergegeben. Wilson et al.fanden
heraus, dass Probanden, die vor dem Alter von 17 Jahren anfingen,
Cannabis zu konsumieren, verglichen mit jenen, die später
anfingen, ein verringertes Hirnvolumen sowie ein erhöhtes
Verhältnis von weißer zu grauer Hirnmasse hatten. Männliche
Versuchspersonen, die vor dem Alter von 17 Jahren anfingen, hatten
einen höheren CBF-Wert (cerebral blood flow,
dt. Gehirndurchblutung) als andere Versuchspersonen. Sowohl Männer
als auch Frauen, die früher begannen, hatten eine kleinere
Körpergröße und ein geringeres Gewicht, wobei
diese Effekte bei Männern stärker nachzuweisen waren.
Solche Effekte scheinen demnach stark von der Frühzeitigkeit
und vor allem der Intensität des Cannabiskonsums im Jugendalter
abhängig zu sein. Studien dieser Art zeigen auf, dass ein
früher Beginn mit den genannten Effekten statistisch im Zusammenhang
steht (Korrelation), lassen aber die Frage offen, ob dies durch
den frühen Cannabisbeginn verursacht wurde oder durch andere
Faktoren wie z. B. den bei dieser Gruppe ebenfalls frühzeitigen
Alkohol- oder Nikotinkonsumbeginn. In einer Studie von Padula
et al. mit psychologischen Leistungstests zu räumlichen Gedächtnisaufgaben
zeigten sich keine Leistungsunterschiede zwischen 16- bis 18-jährigen
starken Cannabiskonsumenten und einer Kontrollgruppe. Die Konsumenten
zeigten aber eine intensivere, andersartige Hirndurchblutung (CBF),
deren Bedeutung noch nicht geklärt ist. Die diskutierten
möglichen Schädigungen haben in der Praxis bei denjenigen
Jugendlichen, die nur Cannabis konsumieren und ansonsten Nichtraucher
sind, keine negativen Auswirkungen. Diese Gruppe schnitt bei einer
Studie mit 5263 Schülern im Vergleich mit zigarettenrauchenden
Cannabiskonsumenten und cannabisabstinenten Schülern, in
Bezug auf Schulleistungen (und Sozialkompetenz sowie sportlicher
Aktivität) am besten ab. Als gesichert kann in Bezug zum
jugendlichen Gehirn die andersartige Durchblutung bei gleich guter
Aufgabenbewältigung gelten, da dieses Resultat nicht bei
Nikotin oder Alkoholmissbrauch beobachtet werden kann und keine
widersprechenden Studienresultate vorliegen.Eine irreversible
Schädigung des Gehirns ist grundsätzlich unwahrscheinlich
(little evident). Da jedoch ein altersabhängig erhöhtes
Risiko eines negativen Einflusses auf das jugendliche Gehirn nicht
ausgeschlossen werden kann, ist Jugendlichen von übermäßigem
Konsum abzuraten.
Bei Erwachsenen
Eine Studie
ergab, dass die Großhirnrinde von Langzeitkonsumenten schlechter
durchblutet wird. Kritiker behaupten, diese Ergebnisse würden
weniger die Schädlichkeit der Cannabinoide nachweisen, sondern
vielmehr die schädliche Wirkung des Einatmens von Verbrennungsgasen.
Chronische
Cannabiskonsumenten zeigen charakteristische Veränderungen
im EEG in Form von erhöhten absoluten Amplituden aller Frequenzen
über allen Hirnabschnitten, Abnahme der relativen Amplitude
aller Nicht-alpha-Frequenzen sowie eine Hyperfrontalität
der Alpha-Aktivität. Man spricht hierbei von einer funktionellen
Gehirnstörung. Funktionelle Störungen verschwinden mit
dem Absetzen der Substanz in der Regel wieder vollständig.
Eine Metaanalyse
der University of California, San Diego (UCSD), fand bei schweren
Cannabisrauchern überraschend wenig Hinweise
für eine substanzielle Hirnschädigung, allenfalls eine
geringe Einschränkung der Gedächtnisfunktion konnte
beobachtet werden, deren praktische Relevanz jedoch unklar ist.
Auch eine Literaturauswertung von Iversen fand kaum Anhaltspunkte,
welche für ein Schädigung des Gehirns sprechen und kommt
zum Schluss, dass die Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn
vermutlich nur geringfügig und vollständig reversibel
sind. Eine Langzeitstudie der Universität in Patras kam zu
dem Ergebnis, dass Konsumenten ein immer schlechteres Gedächtnis
bekommen, je länger sie Cannabis konsumieren.
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