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Kokain
und Crack sind Produkte des Kokastrauches. Bei Kokain handelt
es sich um ein weißes Pulver, das hauptsächlich
durch ein Röhrchen geschnupft wird. Hierzu bringt der
Konsument das Pulver zuvor mittels einer Rasierklinge auf
einem Spiegel in die Form einer Linie. Das Spritzen und
Rauchen der Droge kommt seltener vor.
Zur Herstellung von Crack hingegen werden dem Kokain backmittelähnliche
Stoffe chemisch hinzugefügt. Das nun aus weißlichen
Kristallen bestehende Crack wird in Pfeifen geraucht.
Kokain und Crack wirken zuerst stimmungs-, antriebs- und
sexuell luststeigernd. Dann jedoch treten Halluzinationen
und Wahnvorstellungen auf. Die Wirkung mündet in eine
Phase der Depression mit Negativgefühlen vieler Arten
bis hin zu Selbstmordgedanken. Hierbei wirkt Crack jeweils
stärker und schneller als Kokain.
Neben den körperlichen Schädigungen an Nasenschleimhaut
und Leber kann es wegen der ständigen Dosiserhöhung
schnell zu starken Persönlichkeitsveränderungen
(Gehenlassen, Gewichtverlust, Antriebslosigkeit, sexuelle
Unlust) kommen. Kokain und Crack sind illegal.
Das
kolumbianische Drogenbusiness
Unternehmensstrukturen einer Wachstumsbranche
In Kolumbien
ist der Drogenhandel der dynamischste Reichtumsfaktor. Die
Großbanken profitieren von der Geldwäsche der
Narco-Dollars, das Großkapital verdient beim Handel
der Vorprodukte für die Kokainherstellung und beim
Transport. Es verwundert daher nicht, wenn Oligarchie, Politiker,
Polizei und Militärs tief in das Business verstrickt
sind. An der Spitze des Drogengeschäfts stehen moderne,
dezentralisierte Unternehmen.
Exakte
Aussagen, wie viel Drogengelder in die kolumbianische Ökonomie
fließen, sind kaum zu treffen. Die Tatsache, dass
allein im Laufe des Jahres 1993 Bankkonten und Anlagen von
Drogenunternehmern aus Medellín mit einem Gesamtwert
von 1,4 Milliarden US-Dollar eingefroren wurden, gibt jedoch
eine ungefähre Vorstellung über die Größenordnung.
Die verschiedenen Schätzungen schwanken zwischen 1,5
und 7 Milliarden US-Dollar Deviseneinnahmen jährlich.
Das macht einen wesentlich kleineren Anteil am Bruttoinlandsprodukt
(BIP) aus, nämlich zwischen 3 und 14 Prozent, als etwa
in Bolivien oder Peru. Die meisten Schätzungen gehen
von etwa 6 Prozent des BIP und einem ebenso hohen Arbeitsplatzanteil
aus. Und Drogen sind nicht entgegen weit verbreiteten
Vorstellungen das wichtigste kolumbianische Exportprodukt.
Dennoch wurden über die Jahre hinweg zweistellige Milliardensummen
akkumuliert und größtenteils in Ländereien,
Immobilien, Luxuskonsumgüter und Dienstleistungen investiert.
Das Vermögen der Drogenbourgeoisie soll bereits Anfang
der 1990er Jahre mehr als 30 Prozent des gesamten kolumbianischen
Reichtums inner- und außerhalb der Landesgrenzen ausgemacht
haben.
Für gewöhnlich werden die illegalen Strukturen
der Drogenhändler als Kartelle, als große,
weitverzweigte Organisationen, dargestellt. Dieser Begriff
beschreibt das Phänomen allerdings nur unzureichend.
Die illegalen Strukturen der Drogenhändler entsprechen
eher Organisationsmustern, wie sie auch von postfordistischen,
transnationalen Konzernen bekannt sind. So arbeitete das
Cali-Kartell als modernes dezentralisiertes Unternehmen
transnational, war mit modernsten Geräten und Techniken
ausgestattet, unternahm Marktanalysen und entwickelte neue
Verkaufsstrategien, Produkte sowie Produktionsabläufe.
Die Personen, die im Drogensektor arbeiten, sind wie in
der legalen Wirtschaft frei austauschbar. Daher führt
ihre Verhaftung auch nicht zum Verschwinden des Drogengeschäfts.
Ein FBI-Agent berichtete über den Kokainhandel Medellíns,
die Managementhierarchie sei fließend gewesen, Positionen
wie Organisationszugehörigkeit hätten häufig
gewechselt, und auch eigenständige Nebengeschäfte
wären vorgekommen.
Teilweise schließen sich mehrere Drogenunternehmen
zusammen, um gemeinsame Großinvestitionen wie beispielsweise
den Bau von Großlabors mit Kosten von 20 Millionen
US-Dollar vorzunehmen. Die Vertriebsstrukturen der großen
Drogenoligopole werden auch unabhängigen Produzenten
gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt.
Infiltrierte Agenten der US-Drogenbehörde DEA (Drug
Enforcement Administration) im Cali-Kartell haben feststellen
können, dass an der Spitze des zellenartig organisierten
Konglomerats ein Rat der Unternehmer stand.
Jedes Mitglied des Rates war von diversen Beratern und Delegierten
umgeben, die sich untereinander nicht kannten. Der Rat kümmerte
sich um legale Investitionen des Clans, koordinierte die
Geldwäsche, die Einrichtung von Laboratorien und den
Vertrieb der Drogen. In einer Untersuchung stellte die Tageszeitung
El Espectador 1994 fest: Außer den Gebrüdern
Rodriguez Orejuela sind alle anderen Unternehmer Akademiker:
Anwälte, Ökonomen, Betriebswirte, welche sich
gerne mit jungen Universitätsabsolventen umgeben, die
neue Ideen in das Unternehmen einbringen können.
Die
Nachfolge der Kartelle
Nach
der Zerschlagung des Medellín-Kartells in Folge der
Ermordung Pablo Escobars im Dezember 1993 und des Cali-Kartells
1995 fächerte sich die Struktur des Kokainbusiness
in Kolumbien weiter auf. Es traten zwar neue Kartelle auf,
etwa das Cartel del Valle, doch bei genauer Betrachtung
entspricht die heutige Struktur des Kokainbusiness in Kolumbien
nach Angaben des Pariser Observatoire Geopolitique de Drogues
(OGD) einem dichten Netz von etwa 2.500 kleinen und 40 mittleren
Organisationen, die insgesamt über mindestens 700 geheime
Landebahnen verfügen. Vielfach wird die Zerschlagung
des Cali-Kartells als ein mit der kolumbianischen Regierung
vereinbarter Rückzug interpretiert. Zuvor hatte das
Cali-Kartell eine wesentliche Rolle beim Krieg gegen das
Medellín-Kartell gespielt und sein Exportnetz in
die USA in Verhandlungen teilweise an mexikanische Narcos
abgegeben. Die kolumbianischen Narcos wuschen einen Großteil
ihrer illegalen Gelder in legalen Unternehmen und treten
heute diskreter als früher in Erscheinung. Sie behielten
aber ihre Vormachtstellung in Produktion, Raffinierung und
Handel.
Zur Sicherung der eigenen Straffreiheit sind umfassende
Maßnahmen notwendig. Gewalt ist dabei nicht einmal
die favorisierte Methode, da sie Aufmerksamkeit erregt.
Die Kokainunternehmer des Medellín-Kartells scheiterten,
weil sie die Gewalt als Mittel überstrapazierten und
ihre strukturellen Grenzen zu spät erkannten. Die meisten
Unternehmen bauen ihre Führung auf Verwandschaftsverhältnisse
oder langjährige Freundschaften auf, um sich eine Vertrauensbasis
zu schaffen. Zum Schutz vor Strafverfolgung versuchen sie
sich mittels sozialer Maßnahmen auch die Loyalität
in der Bevölkerung zu sichern. Oder sie bestechen Behörden
und infiltrieren verschiedene Machtebenen.
Die
Todesindustrie
Dennoch
bleibt Gewalt aus unternehmerischer Sicht ein notwendiges
Mittel zur Regulierung des Handels. In Medellín bildete
sich als Folge der Aufträge aus der Drogenbranche mit
der Zeit eine regelrechte Todesindustrie heraus. Die kolumbianische
Regierung geht davon aus, dass etwa 10.000 Personen in diesem
Bereich tätig sind, 25 Prozent davon als Vermittler.
Nach offiziellen Angaben operierten Anfang der 1990er Jahre
in Medellín 300 Jugendbanden und mindestens 5.000
sicarios, wie die Killer in Kolumbien genannt werden. Sie
bekommen ihre Jobs bei spezialisierten Vermittlungsagenturen,
von denen es Mitte der 1990er Jahre im Stadtgebiet von Medellín
mindestens 45 gegeben haben soll. Solche Agenturen bieten
den Kunden höchstmögliche Anonymität, ersparen
ihnen die direkte Kontaktaufnahme mit den sicarios und interessieren
sich nicht für die Motive. Die billigsten erledigen
Morde für 75 bis 400 Euro, für etwas kompliziertere
Aufträge werden zwischen 1.000 und 13.000 Euro verlangt.
Die angeseheneren Vermittlungsagenturen sind um ein Vielfaches
teurer.
Ein
Mord für 75 Euro
Die
Jugendlichen, die die Morde letztendlich durchführen,
sind das letzte Glied in der Outsorcing-Kette
und bekommen ebenso wie die Produzenten in der legalen
Wirtschaft nur ein Trinkgeld im Vergleich zum Auftragsvolumen.
So erhielt beispielsweise der 15-jährige sicario, der
am 22. März 1990 den Präsidentschaftskandidaten
Bernardo Jaramillo ermordete, nur etwas über 800 Euro
von den insgesamt 420.000 Euro, die das Attentat gekostet
haben soll.
Die Kokaingeschäfte laufen nach wie vor gut. Die weltweiten
Anbauflächen, fast ausnahmslos in Bolivien, Peru und
Kolumbien gelegen, wurden allerdings im vergangenen Jahrzehnt
leicht reduziert, während sich die Anbaugebiete verschoben
haben. Die ausgefeilteren Methoden zur Raffinierung und
die verbesserte Pflanzenqualität sorgten jedoch für
eine leichte Erhöhung der potenziellen Kokanettoproduktion.
Während Kolumbien schon immer Exportführer beim
Kokain war, spielte der Anbau der Kokasträucher dort
keine besondere Rolle. Erst in den letzten Jahren ist auf
Grund drastischer Verringerungen in Peru ein starker Anstieg
der Kokaanbauflächen in Kolumbien zu verzeichnen: um
18 Prozent im Jahr 1997 und um 28 Prozent im Jahr 1998.
Auf Grund der niedrigeren Qualität der kolumbianischen
Koka resultiert daraus aber dennoch weniger Kokain als in
Peru. Laut offiziellen Angaben des US-State-Departments
und der Drogenbekämpfungspolizei Kolumbiens betrug
1999 die Kokaanbaufläche in Peru etwa 51.000 ha, in
Bolivien um die 60.000 ha und in Kolumbien 102.000 ha. Die
Angaben unterscheiden sich jedoch von Quelle zu Quelle stark:
Mitunter liegt auch Peru vorn und Kolumbien hinten. Hinzu
kommen in Kolumbien 20.000 Hektar Schlafmohn und 5.000 Hektar
Marihuana. Der Schlafmohnanbau zur Produktion von Heroin
für den US-amerikanischen Markt befindet sich in Kolumbien
seit Anfang der 90er Jahre im rapiden Anstieg. Mit einer
geschätzten Produktion von über 20 Tonnen Heroin
jährlich hat sich Kolumbien zum weltweit viertgrößten
Heroinproduzenten nach Burma, Afghanistan und Laos gemausert.
KASTEN:
Vom Koka zum Kokain
Die Kokapflanze stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet
und wird seit Jahrtausenden in Peru, Bolivien, Brasilien
und Kolumbien angebaut. Allerdings sind Anbau und Konsum
in Kolumbien nicht so verbreitet und verwurzelt wie in den
historischen Kokaländern Peru und Bolivien. Die Blätter
des ein bis vier Meter hohen Strauchs werden traditionell
von indianischen Gemeinschaften bei religiösen Ritualen
eingesetzt. Sie dienen als Medizin für verschiedene
Leiden, vertreiben den Hunger und stärken das Durchhaltevermögen:
Kokablätter stellen ein leichtes Aufputschmittel dar.
Kokain ist ein mit einem chemischen Prozess aus Koka gewonnenes
Alkaloid. Es wurde erstmals 1855 in einem deutschen Labor
als eigene Substanz herausgetrennt. Die stimulierende Wirkung
der Kokablätter stieß auch in Europa und den
USA auf Interesse: Ab 1863 wurden Kokablätter in Wein
eingeweicht und als Getränk vermarktet. 1885 entstand
mit einer ähnlichen Rezeptur Coca-Cola. In Coca-Cola
sind bis heute Kokablätter enthalten, doch die Coca-Cola
Company trennt das Alkaloid Kokain zuvor heraus.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Kokain das auch
in Europa und den USA zunehmend die Kokablätter ablöste
als Medikament gegen Herzrythmusstörungen, Heuschnupfen
und Depressionen weit verbreitet. Zur Kostenersparnis wurde
die Verarbeitung der Kokablätter in die Anbauländer
verlegt und bereits 1891 produzierten die meisten Pharmaunternehmen
ihr Kokain direkt in Peru oder Bolivien. Kokain war schon
vor einem Jahrhundert sowohl in seiner Herstellung wie in
seinem Konsum eine transnationale Ware.
Kokablätter und Kokain wurden zu Anfang des 20. Jahrhunderts
immer populärer, bis die USA 1915 beides als Droge
deklarierten, gleichsetzten und verboten. Der Preis des
Kokains stieg schlagartig und ein umfassendes Netz von illegalen
Händlern bildete sich. Bereits kurze Zeit danach begannen
die USA eine Antidrogenpolitik in den Herkunftsländern
des Kokain zu fordern.
Der rasante Aufstieg des Kokains setzte aber erst in der
zweiten Hälfte der 1970er Jahre ein. Die Meinungen
über den Grund gehen auseinander, doch wird allgemein
angenommen, dass Kokain als Leistungsdroge gut in die durch
Individualismus und allgemeinen Wettbewerb geprägte
neoliberale Gesellschaft passt. Hinzu kommt das elitäre
Image, das der Droge, die immer wieder mit Filmstars, Sportlern
und Musikern in Verbindung gebracht wird, anhaftet, und
ihr Ruf, eine ungefährliche, harmlose Droge zu sein.
Mit dem Auftauchen von Crack ab Mitte der 1980er Jahre konnten
Absatz und Gewinnspanne für die Händler in den
Konsumentenstaaten vergrößert werden. Crack wird
aus pulverförmigem Kokain durch Vermischung mit Backpulver
und Erhitzung hergestellt und in Form kleiner Steine
(rocks) verkauft. Die Menge des Kokains konnte so vervielfacht
und in kleineren und billigeren Dosen angeboten werden,
was einkommensschwächere Käuferkreise erschloss.
In der Drogenszene gilt Crack als verheerendste Droge überhaupt.
Schon drei stecknadelgroße Brocken können zur
ständigen Abhängigkeit führen. Die USA gelten
als das größte Drogenkonsumland der Erde. Laut
Zahlen des National Institute on Drugabuse (NIDA) waren
in den USA noch 1974 etwa 6,5 Millionen Personen Kokainkonsumenten,
1977 sollen es bereits 11,5 Millionen gewesen sein. Seit
Anfang der 1980er Jahre pendelte sich die Anzahl der Kokain-
oder Crackkonsumenten zwischen 35 und 40 Millionen ein.
Die Zahlen erscheinen jedoch stark aufgebläht, um die
Gefahr durch Drogen möglichst bedrohlich darzustellen.
Dario Azzellini
Vom Anbau zum Verkauf: Die transnationale Handelsware Kokain
Kokain
ist eine typische transnationale Handelsware, deren Zyklus
sich grob in fünf Etappen aufteilen läßt:
Kokaanbau, Herstellung der Kokapaste, Veredelung der Paste
zu Kokain, Export in die Konsumentenmärkte und Vertrieb
in den Importmärkten.
Die meisten Bauern verlegen sich auf den illegalen Anbau
von Drogengrundstoffen, weil der Anbau anderer Agrarprodukte
aufgrund der niedrigen Preise kaum reicht, um ihren Lebensunterhalt
zu bestreiten. Daher sind auch staatliche Umstellungsprogramme,
die eine einmalige Zahlung an die Bauern vorsehen, ungeeignet,
um den Anbau einzudämmen. Denn bei der Kokapflanze
sind die Kapitalinvestitionen niedriger und die Erträge
höher. Hinzu kommt, dass der Transport anderer landwirtschaftlicher
Erzeugnisse zu den Verbrauchermärkten wesentlich kostspieliger
und umständlicher ist. Die Kokapflanze gilt allgemein
als sehr robust, sie bedarf faktisch kaum der Pflege und
kann auch ohne Dünger oder spezielle landwirtschaftliche
Maschinen angebaut werden. Sie kann zehn Monate nach der
Aussaat zum ersten Mal geerntet werden und bringt danach
etwa 20 Jahre lang drei bis sechs Ernten jährlich.
Nach der Ernte werden die Blätter entweder in der Sonne
getrocknet oder in Art eines Gärungsprozesses immer
wieder angefeuchtet und unter Zuhilfenahme von Decken mit
den Füßen trocken gestampft. Zur Extraktion des
Alkaloides Kokain werden die getrockneten Kokablätter
mit Wasser und Schwefelsäure in großen Holz-
oder Betonbehältern eingeweicht und nach 12 bis 24
Stunden, in denen die so genannten pisacocas (Kokatreter)
die breiige Masse stampfen, Kerosin, Kalziumkarbonat, Natriumkarbonat
und andere lösende Chemikalien beigemischt. An der
Wasseroberfläche entsteht so eine gelbliche bis weißliche
rohe Kokapaste. Dieser Prozeß ist sehr
arbeitsintensiv, verlangt aber keine besonderen Geräte
oder Laborausrüstung, sondern nur Kenntnis über
die chemischen Substanzen und ihr Mischungsverhältnis.
Anfang der 1980er Jahre versuchten die Zwischenhändler
noch, diese Informationen geheim zu halten. Erfolglos, denn
heute stellen viele Kokabauern die Paste selbst her.
Die Kokapaste wird von Zwischenhändlern aufgekauft
und in die Kokainlabors zur Herstellung des Kokains transportiert.
Die Labors befinden sich in schwer zugänglichen Gebieten,
um sie so besser vor staatlicher Verfolgung zu schützen.
Solche Labors gibt es auch in Bolivien und Peru, die meisten
stehen jedoch in Kolumbien. Ebenso wurden, zumindest bis
Mitte der 1990er Jahre, auch die Labors in den anderen Andenstaaten
durch Kolumbianer kontrolliert. Aus der Kokapaste wird in
einem Reinigungsprozess, der Raffinierung, unter Beimischung
von Ether, Azeton, Ammoniak und Pottasche sowie unter der
Verwendung von Filtern eine Veredelung zu der grauen bis
bräunlichen Kokainbase erreicht. Durch weiteres Filtrieren,
etwa zu dem noch leicht verklumpten Rocks-Kokain, kann eine
Alkaloidreinheit von 70 bis 85 Prozent erreicht werden.
Aus der Base entsteht unter Beimischung von Salzsäure,
eventuell Ether und Azeton, das weiße, feinflockige
Kokainhydrochlorid mit einem Reinheitsgrad von 95 bis 99
Prozent. Für ein Kilogramm Kokain braucht man je nach
Qualität in Kolumbien etwa 550 kg, in Peru 300 kg und
in Bolivien 250 kg Kokablätter.
Beim Drogentransport in die Abnehmerländer konnten
die kolumbianischen Händler ihre Vormachtstellung auf
dem Drogenmarkt ausbauen und lange Zeit halten. Im Laufe
der Jahre wurden ausgefeilte Routen unter Kombination von
Luft-, See- und Landwegen entwickelt. Der Vertrieb der Drogen
in den Zielländern, bei dem letztendlich der Großteil
der Gewinne realisiert wird, befindet sich nur zum kleinen
Teil in den Händen kolumbianischer Händler.
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Der Gehalt
an Alkaloiden im Cocastrauch (bot. Erythroxylum coca Lam.) beträgt
zwischen 0,5 und 1 %. Hauptbestandteil ist dabei das (-)-Kokain.
Kokain ist der Methylester des linksdrehenden Benzoylecgonins.
Daneben sind Cinnamylcocain, Benzoylecgonin, Truxilline sowie
Tropacain als Nebenalkaloide enthalten.
Die Cocapflanze als Quelle des Kokains wird in Südamerika
(Bolivien, Peru und Kolumbien) in einer Höhe zwischen 600
und 1.000 m angebaut. Man unterscheidet die Herkunftspflanzen
wie folgt:
Bolivianisches bzw. Huanuco-Coca: E. coca var. coca
Amazonas-Coca: E. coca var. ipadu
Kolumbianischer Coca: E. novogratense var. novogratense
Trujillo-Coca: E. novogratense var. truxillense
Zur Kokaingewinnung werden die Blätter des Cocastrauchs zerkleinert
und eingeweicht. Die Alkaloide werden mit Lösungsmitteln
extrahiert und der Auszug verseift (Esterspaltung). Die Ecgonine
werden dann mit Benzoylchlorid und Methanol zum Kokain verestert.Quelle?
Auf diese Weise werden auch andere enthaltene Alkaloide in Kokain
umgewandelt. Die Ausbeute erhöht sich damit um ein Vielfaches.
Die entstehende Cocapaste hat einen Wirkstoffgehalt von 60 bis
80 %.
Die Extraktion und die Kokainsynthese werden meist vor Ort in
ausgehobenen Erdlöchern oder Badewannen durchgeführt.
Dies ist auch der Grund für die vielfältigen Verunreinigungen
des illegalen Kokains.
Die Kokainintoxikation
Die Pflanzen
der Gattung Erythroxylum stellen den Ausgang der seit ca. 1870
verwandten Droge Kokain dar. Am Anfang dieser Jahrhunderts waren
weit mehr als 100 verschiedene Getränke auf dem Markt erhältlich,
die Kokain enthielten. Diese Getränke wurden gegen fast alle
Arten von Krankheiten (Schmerzen, Kreislaufprobleme, Heuschnupfen,
Asthma und viele mehr) eingesetzt. Eines der heute nach am bekanntesten
Getränke dieser Zeit ist Coca-Cola®, das aber seit 1903
kein Kokain mehr enthält.
Der Einzug
des Kokain als Medikament erinnert, geschichtlich betrachtet,
an den Einzug von LSD, Amphetaminen oder Heroin in der Medizin.
Siegmund Freud war ein begeisterter Verehrer des Kokain und setzte
es zum einen an sich selbst (ohne wirklich je abhängig zu
werden), zum anderen setzte er es zur Behandlung von Depressionen
und zur Therapie bei Entzug von Morphium ein. Freud beendete seine
Therapie mit Kokain, nachdem ein guter Freund von ihm an den Wirkungen
der Droge verstarb. Das Tragische daran war, dass Freud selbst
seinem Freund Kokain für den Morphinentzug verschrieben hatte.
Viele Schriftsteller kamen in Kontakt mit der Droge. Es wird vermutet,
dass Robert Louis Stevenson, der Kokain gegen seinen chronischen
Katarrh erhielt, das Buch Dr. Jekyll and Mr. Hyde im Kokainrauch
schrieb. Auch Richard Strauss erhielt in einer Frankfurter Klinik
zur Lokalanästhesie einer Nasenscheidewand-Operation ein
mit Kokain getränktes Wattebäuschen in die Nase eingeführt.
Er schrieb unter der Einwirkung zwei Arien seiner Oper Arabella.
Zu guter letzt hat auch der berühmte Detektiv Sherlock Holmes
viele Fälle unter der Einwirkung von Kokain lösen können
(so stand es wenigstens in den Romanen, die Realität sieht
dabei aber ganz anders aus !)
Anwendungsbereiche
Die Droge
ist wird in vielen verschiedenen Zubereitungen verwendet. Zum
einen wird sie als Pulver geschnupft (koksen), als wässrige
Lösung intravenös gespritzt, als Crack geraucht, als
Blätter (Koka-Blätter) gekaut und als Tee getrunken.
Bei allen Zubereitungen ist die Wirkung jedoch die gleiche. Im
zentralen Nervensystem wird durch Kokain die Rückresorption
von Katecholaminen, wie Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin
verhindert. Kokain lässt sich sehr leicht über die Schleimhäute
aufnehmen, bei einer Wirkdauer von ca. 15 bis 60 Minuten. Die
Aufbereitung von Kokain, indem es mit Backpulver aufgekocht wird,
ist als Crack bekannt. Diese billige, leicht herzustellende und
sehr schnell wirkende Droge kann mit ihrem niedrigen Schmelzpunkt
geraucht werde. Zwei besondere Formen des "Kokaingenuss"
ist das Kauen von Koka-Blättern und das Trinken von Koka-Tee.
Bei dem Kauen werden die Koka-Blätter zusammen mit Pottasche
im Mund zerkleinert. Der alkalische Zusatz Pottasche ist deshalb
so wichtig, da so das herausgelöste Kokain chemisch zu Ekgonin
umgewandelt wird, das keine suchterzeugende Wirkung besitzt. So
ist auch zu erklären, dass die wenigsten Koka-Kauer süchtig
sind. In vielen Ländern Südamerikas können Koka-Blätter
und auch der "Mate de Coca" (Tee der Koka-Blätter)
völlig legal erworben werden. Sogar eine südamerikanische
Luftlinie bietet den Passagieren beim Anflug auf La Paz, das auf
mehr als 4100 m über dem Meeresspiegel liegt heißen
Mate de Coca an. In vielen Hotels von La Paz bekommt man dieses
Getränk angeboten, um die Anpassung an die Höhe zu erleichtern.Kokain
ist als "harmlose" Modedroge seit Anfang des Jahrhunderts
vor allem in Europa und Nordamerika bekannt. Der richtige Aufschwung
der Droge kam aber erst zu Beginn der 80er Jahre und wurde vor
allen in der Yuppie-Szene verwendet. Es galt damals als schick
und auch als Erkennungszeichen einen kleinen silbernen Löffel,
zum Portionieren des Kokains, am Hals zu tragen. Seit 1985 ist
das sehr günstige Crack zu erhalten. Ab diesem Zeitpunkt
nimmt die Anwendung von Kokain stetig zu. Man geht davon aus,
dass in Amerika bereits heute mehr als 25 Millionen Menschen Kokain
versucht haben und jeden Tag mehr als 5.000 neue Anwender dazu
kommen. Kokain wird heute in allen gesellschaftlichen Schichten
verwendet. Es gilt in vielen Kreisen, vor allem bei Künstlern,
als stimulierende Droge. Ein Beispiel dafür ist die Verurteilung
des Liedermachers Konstantin Wecker.
Wirkung
von Kokain
Kokain ist
zentralnervös anregend. Wie Amphetamine bewirkt es ein Gefühl
gesteigerter Leistungsfähigkeit und Gefühle des Wohlbefindens.
Der Körper reagiert mit erhöhtem Puls, gesteigertem
Herzschlag, trockenem Mund, Schweissausbrüchen und Appetitverlust.
Bei häufigerem Gebrauch erfahren UserInnen Ohrensausen, Diarrhöe,
Schlaflosigkeit, Erschöpfung, und sie sind häufig unfähig,
sich zu entspannen.
Gespritztes
Kokain bewirkt fast unmittelbar eine intensive Reaktion und erreicht
den Kulminationspunkt in wenigen Minuten. In etwa einer Stunde
verschwindet das Euphoriegefühl. Die Wirkung kann sich jedoch
rasch ändern, gesteigerte Reizbarkeit und Angstzustände
sind die Folge. Das Benützen von unsterilen Spritzen enthält
- wie bei anderen Drogen auch - ein hohes Infektionsrisiko.
Eine Überdosis
kann infolge von Atemstillstand und/oder Herzversagen tödliche
Folgen haben. Wo die tödliche Dosis liegt, ist nicht genau
bekannt. Die meisten Todesfälle geschehen bei mehrfach wiederholter
Einnahme innert weniger Stunden oder aufgrund der Injizierung
von Drogenmixturen
Kokain ist
das älteste bekannte Lokalanästhetikum. Wegen seines
Abhängigkeitspotentials, der rechtlichen Rahmenbedingungen
und der Toxizität wird es inzwischen so gut wie nicht mehr
eingesetzt. Kokain diente aber als Leitsubstanz für viele
synthetische Lokalanästhetika wie z. B. Lidocain, Benzocain
oder Scandicain.
1884 wurde
Kokain zum ersten Mal in der Augenheilkunde eingeführt. Der
Einsatz von Kokain für Operationen am Auge ist nach der deutschen
Betäubungsmittelverschreibungsverordnung immer noch zugelassen.
Um das Jahr
1885 wurde Kokain gegen Zahnschmerzen benutzt.
Nebenwirkungen
Kokain bewirkt eine Erhöhung der Atem- bzw. der Pulsfrequenz
evtl. Atemunregelmäßigkeiten (Cheyne-Stokes-Atmung)
und gleichzeitig eine Verengung der Blutgefäße und
damit eine Erhöhung des Blutdruckes. Dies kann u. a. Herzrhythmusstörungen
bis hin zum Herzanfall zur Folge haben. Beim Rauchkonsum erhöht
sich zudem das Risiko eines Hirninfarkts, da durch den erhöhten
Blutdruck und die Verengung der Blutgefäße das Platzen
einer Arterie im Gehirn wahrscheinlicher wird.
Durch die
Störung der Gefühle für Hunger, Durst, Furcht,
Schlaf und Wachen kann es zu starken Mangelerscheinungen in diesem
Bereich kommen. Regelmäßiger Konsum kann die Körperreserven
ausbeuten. Massiver Schlafentzug aufgrund von Kokainkonsum kann
zu paranoiden Halluzinationen, Verfolgungsängsten, zeitlicher
und örtlicher Desorientierung, gesteigerter Nervosität
und Aggressivität führen.
Beim Rauchkonsum
von Kokain werden Schleimhäute, Lippe, Mundhöhle und
Bronchien geschädigt. Bei chronischem Konsum durch die Nase
kann es zur Schädigung der Nasenscheidewand kommen und sogar
zu deren Durchlöcherung.
Nach dem Ausklingen
der Wirkung kommt es häufig zu depressionsartigen Zuständen
(Crash). Bei intensiven Konsumformen kann dies zu einem starken
Drang zu einem sofortigen weiteren Konsum führen.
Die eigentliche
Gefahr beim Rauchkonsum liegt in der Überdosierung. Die Dosierung
ist ungleich schwieriger zu kontrollieren als beim Schnupfen oder
Spritzen von Kokain in seiner ursprünglichen Form. Beim Schnupfen
von Kokain beträgt die lebensbedrohliche Dosis 1,2 bis 1,4
Gramm, beim Spritzen von Kokain zwischen 0,75 und 0,8 Gramm. Beim
Konsum von Freebase bzw. Crack ist die lebensbedrohliche Dosis
variabel und unberechenbar, die Gefahr der Überdosierung
ist wegen der schnellen Aufnahme des hochkonzentrierten und in
der Regel reinen Stoffes besonders hoch.
Von einer
Überdosierung kann dann gesprochen werden, wenn der Drogenkonsument
keine positive Wirkung mehr spürt, erste sichtbare Hinweise
sind erweiterte Pupillen, leichte Krämpfe, Koordinationsstörungen,
massiv erhöhte Körpertemperatur und Händezittern.
Weitere Hinweise sind erhöhte Ängstlichkeit, Angetriebensein,
Paranoia, Aggressivität, Halluzinationen, Übelkeit,
Erbrechen, Herzrhythmusstörungen.
Als erster
Schritt in einem Kokain-Notfall ist es wichtig, eine vertrauensvolle
Atmosphäre zu schaffen, um herauszufinden, auf welche Weise
welche Substanz eingenommen wurde. Atmung, Puls und wenn möglich
Blutdruck lassen sich in der beruhigten Situation dann kontrollieren.
Sehr unruhige Drogenkonsumenten oder solche mit sehr starken Angstsymptomen
können mit Valium behandelt werden, bei Atmungsproblemen
(Cheyne-Stokes-Atmung) muss der Drogenkonsument wenn möglich
mit Sauerstoff beatmet werden. Siehe auch: Absatz Behandlung
Bereits der
einmalige Konsum von Kokain reicht aus um einen Herzinfarkt auszulösen.
Innerhalb von einer Stunde steigt dann das Risiko um das 24-Fache
an. Die Droge erhöht den Blutdruck und steigert somit auch
die Pulsfrequenz, was zur Folge hat das dass Herz mehr Sauerstoff
benötigt. Zugleich verengt Kokain aber auch die Blutgefäße,
was zu einem Sauerstoffmangel am Herzen führen kann. Das
kann einen Anfall von Angina Pectoris, einer starken Brustenge,
zur Folge haben oder schlimmsten Falle im Herzinfarkt enden. Zudem
begünstigt die Droge die Entstehung von Arterienverkalkungen
(Arteriosklerose). In den USA gilt chronischer Kokainkonsum bereits
als Ursache für ein Viertel aller Herzinfarkte bei jungen
Patienten. Die Tatsache das Kokain sich zunehmend auch in Deutschland
verbreitet bereitet den Kardiologen hierzulande große Sorgen.
Riskantes
Ausprobieren
Da nicht nur soziale Randgruppen betroffen sind, sondern auch
Manager-, Künstler- oder Prominentenkreise, entsteht der
Eindruck, Kokain sei harmlos. Der Konsum kann aber innert kurzer
Zeit zur Abhängigkeit führen. Und die Folgen für
Herz und Hirn sind mitunter lebensbedrohlich. Bereits einmal zu
koksen, kann einmal zu viel sein
und zum Herzinfarkt, Herzstillstand sowie auch zum Hirnschlag
führen:
«Das gilt insbesondere, wenn schon eine Herz-Kreislauf-Krankheit
wie
hoher Blutdruck oder koronare Herzerkrankung bestanden hat»,
sagt
Juan Sztajzel. «Sind bei einer solchen Krankheit bisher
keine Anzeichen
aufgetreten und wissen die Betroffenen nichts davon, wenn sie
die
Droge ausprobieren, so können die Folgen für ihre Gesundheit
bedenklich
sein.» Sechzig Minuten nach Einnahme von Kokain steigert
sich das
Risiko eines Herzinfarkts um das 24fache, verglichen mit der Ausgangslage.
Folgeschäden
der Kokainsucht
Kokain-Konsum
führt sehr schnell zu einer starken psychischen Abhängigkeit.
Bereits innerhalb weniger Wochen kann sich der Grad der Abhängigkeit
immens steigern. Und auch nach dem Abklingen der oft über
Wochen andauernden Entzugssymptome, wie Müdigkeit, Depressionen,
starkes Schlafbedürfnis, verfügt der Abhängige
über ein starkes Verlangen nach der Substanz. Die Rückfallgefahr
ist demnach sehr hoch.
Langfristige
körperliche, psychische und soziale Schäden.
Körperliche
Schäden sind die Schwächung der körperlichen Widerstandskraft,
die Verminderung der Belastbarkeit und starker Gewichtsverlust.
Dazu kommen Schädigungen der Blutgefäße und verschiedener
Organe wie Leber, Herz und Nieren. Je nach Konsum-Form entstehen
chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, lokale Infektionen,
dazu kommt die erhöhte Infektionsgefahr (Hepatitis, Aids).
Psychische
Folgeschäden sind ausgeprägte Verstimmungen, sexuelle
Funktionsstörungen, Schlafstörungen, Depressionen, Angst,
Befürchtungen des Kontrollverlusts, Antriebs- und Konzentrationsstörungen,
Misstrauen, Verwirrtheit, verstärkte Reizbarkeit und Aggressivität.
Dies kann auch zu einer Kokainpsychose führen, bei der paranoide
Wahnvorstellungen, eine Beeinträchtigung des Realitätsbezugs
und optische, akustische oder taktile Halluzinationen auftreten
können. Besonders typisch ist der Dermatozoenwahn, bei dem
der Abhängige glaubt, Insekten krabbelten unter seiner Haut.
Soziale Folgen
können nachhaltige Persönlichkeitsveränderungen,
antisoziales und narzisstisches Verhalten sowie Ess- und Schlafstörungen
u.ä. sein. Dazu kommen die möglichen strafrechtlichen
Probleme, die aus den finanziellen Problemen und der Beschaffungskriminalität
resultieren können.
Zum Thema
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Suchtspecial
Besonders verheerend sind jedoch auch die ausgeprägten Kontaktstörungen
und die Tendenz zur Selbstisolation, die zum Zerbrechen sämtlicher
sozialer Bindungen führen können. Ein Leben zwischen
Misstrauen, Depressionen, Verzweiflung, Aggressionen, Schlaflosigkeit,
Abmagerung bis zum körperlichen Verfall und schließlich
in vielen Fällen der Tod.
Abhängigkeit
Nach dem Kokainrausch kann eine Depression auftreten. Dieser Zustand
lässt diese Konsumenten nicht selten schnell wieder zur Droge
greifen, um der Kokaindepression zu entkommen. Dieser
Mechanismus ist gefährlich, da er schnell zu einer Abhängigkeit
führen kann.
Das extreme Hochgefühl sowie das schnelle Abklingen der Wirkung
steigert das Abhängigkeitspotential der Droge erheblich.
Es ist demnach nur ein weitverbreiteter Irrglaube, dass einmaliger
Kokainkonsum nicht (psychisch) abhängig mache. Selbst der
einmalige Gebrauch von Kokain kann schnell zu einer psychischen,
nicht aber körperlichen Abhängigkeit führen.
Ein Spezifikum hierbei (noch stärker ausgeprägt beim
Rauchen der Kokainbase Crack) ist die episodische Gier:
Auch bei unerfahrenen Konsumenten kann, wenn die Drogenwirkung
abklingt, ein starkes Verlangen eintreten, mehr zu konsumieren.
Im Extremfall kann diese Konsumdynamik sog. Binges
(engl.; Episoden mit in kurzen Abständen erfolgendem Konsum)
zur Folge haben, die viele Stunden oder gar mehrere Tage andauern.
Eine Besonderheit bei langfristigem Kokainmissbrauch ist das Auftreten
des sogenannten Dermatozoenwahns, der Überzeugung, dass sich
Insekten unter der eigenen Haut bewegen. Außerdem wird die
Kokainabhängigkeit häufig mit einem Verfall des Gewissens
des Konsumenten in Verbindung gebracht dies vor dem Hintergrund,
dass die selbstbewusstseinssteigernde Wirkung im Zusammenspiel
mit der Konsumdynamik das soziale Bewusstsein verblassen lässt
(weshalb Kokain zuweilen als Egodroge bezeichnet wird).
Darreichungsformen
Kokainsulfat
(Kokainpaste)
Kokainsulfat ist eigentlich ein Zwischenprodukt bei der Herstellung
von Kokainhydrochlorid. Es entsteht bei der Verarbeitung der geernteten
Blätter des Cocastrauches unter Zugabe von Wasser und Schwefelsäure.
In Südamerika wird Kokainsulfat allerdings auch häufig
vermischt mit Tabak geraucht, da es im Vergleich zu den anderen
Kokainformen sehr viel billiger ist. Geläufige Bezeichnungen
dort sind pasta, basuco, basa,
pitillo, paco, paste.
Kokainbase (Freebase)
Kokainbase ist die Basenform von Kokain im Gegensatz zu Kokainhydrochlorid.
Während letzteres sehr gut wasserlöslich ist, ist Kokainbase
unlöslich in Wasser und somit nicht zum Schnupfen, Essen
oder zur Injektion geeignet. Kokainbase ist einerseits ebenfalls
ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Kokainhydrochlorid,
andererseits ist es auch üblich auf dem Schwarzmarkt erworbenes
Kokainhydrochlorid durch Erhitzen in Salmiakgeist wieder zur Base
umzuwandeln, da Kokain in Basenform sehr viel effektiver geraucht
werden kann als Kokainhydrochlorid.
Kokainhydrochlorid, also die Salzsäure-Salzform von Kokain,
ist die gebräuchlichste Form von Kokain auf dem deutschen
Schwarzmarkt und außerdem das, was man gemeinhin unter Kokain
versteht. Kokainhydrochlorid ist gut wasserlöslich und daher
zum Schnupfen, Essen oder zur Injektion geeignet. Zum Rauchen
eignet es sich schlecht, da es sich erst bei hohen Temperaturen
(195 °C) verflüchtigt und dann zu einem großen
Teil verbrennt. Deshalb wird für diesen Zweck meist Kokainbase
oder Crack hergestellt.
Crack
Durch Aufkochen von Kokainhydrochlorid mit Natriumhydrogencarbonat
entsteht ein Gemisch aus Kochsalz (NaCl) und Kokain-Hydrogencarbonat,
welches Crack genannt wird. Crack sind Körner
(Rocks), welche bei 96 °C mit knackendem (to
crack) bzw. knisterndem (to crackle) Geräusch
als freie Base verdampfen. Diese Form von rauchbarem Kokain hat
sich im Gegensatz zur Kokainbase durchgesetzt, da sie wesentlich
einfacher, ungefährlicher und mit leichter verfügbaren
Mitteln herzustellen ist. So ist reines Natriumhydrogencarbonat
in Deutschland beispielsweise als Natron frei erhältlich.
In vielen Quellen wird Backpulver angegeben, dies gilt zwar z.
B. für die USA, in Deutschland gebräuchliches Backpulver
ist jedoch kein reines Natriumhydrogencarbonat und daher ungeeignet.
Schwarzes Kokain
Während die o. g. Formen alle zum Konsum geeignet sind und/oder
bei der Herstellung von Kokain entstehen, ist das sogenannte schwarze
Kokain (Coca Negra) eine spezielle Form, die
in jüngerer Zeit zum Schmuggeln verwendet wurde. Dabei wird
Kokain z. B. mit Kobalt- und Eisenchlorid vermischt. In dieser
(nicht konsumierbaren) Form wird Kokain nicht mehr von den üblichen
Tests erkannt. Im Zielland wird das Kokain dann reextrahiert.
Das vermutlich erste Mal wurde Kokain in dieser Form bei einer
Beschlagnahmung 1998 in Deutschland entdeckt, woraufhin auch eine
größere Menge von schwarzem Kokain am Flughafen Bogotá
gefunden wurde, welches bereits zum Transport nach Afrika vorbereitet
war.
Reinheitsgehalte
Heute auf dem Schwarzmarkt verfügbares Kokain ist selten
rein, sondern mit verschiedenen Substanzen gestreckt. So liegen
die Durchschnittsgehalte bei Kokainhydrochlorid im Kilobereich
um die 85 % (Anteil an Kokainhydrochlorid), bei Mengen zwischen
einem Gramm und einem Kilogramm um die 60 % und bei Mengen, die
kleiner als ein Gramm sind, um die 35 %. Der mittlere Reinhaltsgehalt
von Proben, die Kokainbase enthalten, liegt bei knapp 75 % (Anteil
an Kokainbase). Bemerkenswert hierbei ist, dass in Deutschland
der Reinheitsgehalt im Kilobereich bei Kokainhydrochlorid innerhalb
der letzten zehn Jahren praktisch stabil geblieben ist, jener
der Mengen im Bereich zwischen einem Gramm und einem Kilogramm
um etwa 10 % abgenommen hat und jener bei den kleinen Mengen von
weniger als einem Gramm um etwa 20 % abgenommen hat.
Reines Kokain (mit mehr als 90 % Wirkstoffgehalt) ist zwar auf
dem Schwarzmarkt auch in kleinen Mengen verfügbar, jedoch
sehr selten. Wie beim Heroinkonsum besteht somit die Gefahr, dass
der Konsument sich an einen Stoff mit niedrigem Reinheitsgehalt
gewöhnt hat und ohne es zu wissen plötzlich
deutlich potentere Drogen mit einem hohen Wirkstoffgehalt konsumiert.
Somit geht der Konsument das Risiko ein, durch eine Überdosis
einen schweren gesundheitlichen Schaden zu erleiden oder im Extremfall
sogar zu sterben, wenn auch bei Kokain dieses Risiko weit weniger
stark ausgeprägt ist als bei Heroin.
Als Streckmittel wird hauptsächlich Milchzucker (Edelweiß)
verwendet. 51 % aller Kokainproben 2004 enthielten Milchzucker
(Lactose). Des Weiteren werden als Streckmittel verwendet: Mannit
(18 %), Inosit (6 %), Glucose (4 %), Saccharose = Zucker (4 %),
Fruktose (ca. 1 %) und Stärke (ca. 1 %).
Durchaus verbreitet ist der Zusatz von weiteren pharmakologisch
wirksamen Substanzen, welche gezielt bestimmte spezifische Wirkungen
des Kokains imitieren, um die subjektiv wahrnehmbare
Qualität des gestreckten Kokains wieder besser erscheinen
zu lassen. So wird beispielsweise häufig dem Kokain das in
Apotheken in Deutschland rezeptfrei (aber nicht ohne Nachfragen
nach Verwendungszweck und Beruf) verkaufte Lokalanästhetikum
Lidocain beigemengt. Laut Bundeslagebild Rauschgift 2004 konnte
in 28 % aller Fälle Lidocain nachgewiesen werden. Als weitere
häufige Zusatzstoffe mit pharmakologischer Wirkung sind zu
nennen: Phenacetin (36 %), Koffein (7 %), Procain (2 %), Benzocain
(1,4 %) und Paracetamol (1,4 %). Seltene Zusatzstoffe (unter 1
%) sind Diltiazem, Tetramisol, Amphetamin, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure,
Ascorbinsäure, Ephedrin, Hydroxyzin, MDMA, Methamphetamin,
Pholedrin, Tetracain, Articain, Diacetylmorphin, Ketamin, Atropin
und Phenmetrazin.
Behandlung
der Sucht
Seit den 90er-Jahren
ist, einhergehend mit einem drastischen Preisverfall des Kokains,
in europäischen Großstädten ein Anstieg des Kokain-Konsums
durch alle Schichten und Altersgruppen festzustellen. Die vorhandenen
Suchthilfesysteme im europäischen Raum waren und sind teilweise
nur unzureichend auf diese Entwicklung und auf diese Situation
eingestellt. Die meisten ambulanten und stationären Angebote
sind auf die Behandlung von Opioidabhängigen angepasst.
Rein kokainabhängige Menschen bilden im Vergleich zu opioidabhängigen
eine Zielgruppe mit anderen Bedürfnissen. Sie sind in der
Regel in deutlich anderen sozioökonomischen Situationen (sozial
integriert und finanziell gesicherter) als Opioidabhängige.
Mittlerweile werden von einigen Ländern wie z. B. Spanien
Medikamente zur Behandlung einer Kokainsucht getestet.
Rechtslage
Kokain
Methyl(3beta-(benzoyloxy)tropan-2beta-carboxylat) ist in
der Bundesrepublik Deutschland aufgrund seiner Aufführung
in der Anlage III zu § 1 Abs. 1 BtMG ein verkehrsfähiges
und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel. Dies gilt
nicht für d-Kokain Methyl(3beta-(benzoyloxy)tropan-2alpha-carboxylat)
, das in Anlage II zu § 1 Abs. 1 BtMG (verkehrsfähiges,
aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel) aufgeführt
ist. Der Umgang mit Kokain wie auch mit d-Kokain ohne Erlaubnis
ist grundsätzlich strafbar. Weitere Informationen sind im
Hauptartikel Betäubungsmittelgesetz (Deutschland) zu finden.
Das Gleiche gilt für den Coca-Strauch (Pflanzen und Pflanzenteile
der zur Art Erythroxylum coca einschließlich der
Varietäten bolivianum, spruceanum und novogranatense
gehörenden Pflanzen).
Für den Praxisbedarf darf der Arzt Kokain bei Eingriffen
am Auge als Lösung bis zu einem Gehalt von 20% oder als Salbe
bis zu einem Gehalt von 2% verschreiben.[34]
Im Zolltarif hat "Cocain" (so die dort übliche
Schreibweise) den TARIC-Code 2939910000 ("Cocain, roh")
und 1211300000 ("Coca-Blätter"). Zollrechtlich
bestehen keine generellen Einfuhrverbote, lediglich Exportbeschränkungen
im Rahmen allgemeiner Embargos. Da Kokain zollrechtlich also eine
normale Ware ist, wird bei deren Verbringung in das deutsche Zollgebiet
Einfuhrzoll (derzeit 0%) und Einfuhrumsatzsteuer fällig (19%,
da in Anlage II zum UStG nicht erwähnt). Neben den im BtMG
beschriebenen betäubungsmittelrechtlichen Straftaten und/oder
Ordnungswidrigkeiten macht sich der Verbringer, der die Ware nicht
anmeldet, somit regelmäßig auch Steuerstraftaten und/oder
-ordnungswidrigkeiten schuldig, da die Steuerpflicht auch dann
anfällt, wenn das zugrunde liegende Rechtsgeschäft gesetzes-
oder sittenwidrig ist.
Kokain birgt
für Führerscheininhaber ein besonderes Risiko: Da Kokainkonsum
über lange Zeit nachweisbar ist, kann die Fahrerlaubnisbehörde
Zweifel an der allgemeinen Fahreignung des Betroffenen geltend
machen. Und dann ist die Fahrerlaubnis schnell weg. ?Die wenigsten
Kokain-Konsumenten wissen, dass hier zwischen der akuten Konsum-Situation
nach dem Straßenverkehrsgesetz und den langfristigen Risiken
im Hinblick auf das Verwaltungsverfahren unterschieden werden
muss?, erläutert Rechtsanwalt Christian Demuth, Verkehrsstrafrechtler
aus Düsseldorf.
Nach dem Straßenverkehrsgesetz begeht eine Ordnungswidrigkeit,
wer im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug unter der Wirkung
eines der im Gesetz genannten berauschenden Mittel führt.
Um hier belangt werden zu können, muss die Substanz im Blut
nachgewiesen werden. Der Nachweis kann bei Kokain über das
Abbauprodukt Benzoylecgonin (BZE) erfolgen. ?Ein Verurteilung
setzt voraus, dass ein bestimmter Grenzwert von BZE im Blut erreicht
wird?, erklärt Demuth, ?erst dann kann man von einer Beeinträchtigung
der Fahrtüchtigkeit ausgehen.? Folglich gibt es in jedem
Verfahren, bei dem es um Kokain-Verdacht geht, eine Mitteilung
über die Höhe der BZE-Konzentration.
?Reicht diese
nicht für eine Sanktion nach dem Straßenverkehrsgesetz,
ist die Gefahr für die Fahrberechtigung aber noch lange nicht
gebannt?, warnt der Verkehrsstrafrechtler. Denn die Mitteilung
der BZE-Konzentration gelangt auch der Fahrerlaubnisbehörde
zur Kenntnis. Und schon die bloße Einnahme eines Betäubungsmittels
reicht aus, dass die Behörde zur Klärung der Fahreignung
ein ärztliches oder ein medizinisch-psychologisches Gutachten
verlangen kann. Wird dieses nicht vorgelegt oder fällt negativ
aus, was schon mangels einer nachgewiesenen einjährigen Drogenabstinenz
regelmäßig der Fall sein dürfte, wird die Behörde
die Fahrerlaubnis entziehen. ?Da BZE mindestens eine Woche lang
im Urin nachweisbar ist, besteht hier nach einer Kontrolle auch
ohne akuten Konsum ein sehr hohes Risiko, den Führerschein
dauerhaft zu verlieren?, attestiert Demuth, ?das ist eine tickende
Zeitbombe.?
Einnahme
und Wirkung
Zum Konsum
wird Kokain meist durch einen Halm oder zusammengerolltes Papier
in die Nase gesaugt ("gezogen"), wo es von den Nasenschleimhäuten
resorbiert wird. Weiter Möglichkeiten sind die intravenöse
Injektion und die orale Einnahme. Zum Rauchen ist Kokain nur wenig
geeignet, da es sich beim Erhitzen großteils zersetzt. In
den 80ern wurde allerdings eine Methode entdeckt um aus Kokain
auf einfache Weise das hochpotente Crack herzustellen, das verdampft
und inhaliert wird. Die Wirkung von Crack ist um ein noch intensiver
als die des Kokains und auch die Suchtgefahr ist um ein vielfaches
höher.
Auf physiologischer
Ebene kommt die stimulierende Wirkung von Kokain durch eine vermehrte
Ausschüttung der Transmitter Dopamin und Noradrenalin sowie
eine Hemmung der Wiederaufnahme in die präsynaptische Membran
zustande. So sammeln sich die Transmitter im synaptischen Spalt
an, was eine höhere Aktivität bewirkt. Außerdem
wird der Abbau von Adrenalin verhindert, wodurch Herzfrequenz
und Blutdruck ansteigen. Durch ein Blockieren der Natriumkanäle
werden die Schmerzrezeptoren gehemmt, was das Empfinden von Schmerz,
Wärme, Kälte und Druck beeinflusst. Daher kommt es im
Kokainrausch oft zu Halluzinationen des Tastsinns. Abgebaut wird
die Droge in Leber und Nieren. Körperliche Anzeichen von
Kokainkonsum sind neben erhöhter Herzfrequenz und erhöhtem
Blutdruck auch erweitere Pupillen.
Da sich Kokain
in den Haaren anlagert, ist je nach Haarlänge Kokainkonsum
relativ lange nachweisbar. Als Faustregel gilt: Die Länge
der Haare in Zentimeter gibt an, wieviele Monate der letzte Konsum
zumindest zurückreichen muss, um in einer Haarprobe nicht
mehr nachweisbar zu sein.
Eine weitere
Wirkung des Kokains ist die lokale Betäubung. Wird es auf
die Zunge aufgebracht, so macht sich innerhalb von Sekunden ein
Taubheitsgefühl bemerkbar. Durch diese einfache Methode ist
es möglich Kokain schnell und zuverlässlich auf seine
Echtheit zu prüfen.
Sobald das
Kokain im Gehirn ist, setzt eine Euphorie ein. Beim Schnupfen
ist das schon nach wenigen Minuten. Diese Phase dauert etwa 20
bis 30 Minuten. Danach machen sich vor allem gesteigerte Leistungsfähigkeit
und Ausdauer bemerkbar. Nach 1 bis 2 Stunden klingt auch diese
Wirkung aus. Die intensivste Wirkung setzt nach intravenöser
Injektion, da hier das gesamte Kokain in den Blutkreislauf gelangt.
Sie setzt schon nach einigen Momenten ein und lässt auch
schneller als bei den anderen Einnahmeformen wieder nach. Auch
die Suchtgefahr ist hier am größten. Bei der oralen
Einnahme dauert es mindestens eine halbe Stunde bis die Wirkung
einsetzt. Die Wirkung kommt sehr langsam und klingt auch wieder
sanfter aus und wird als milder empfunden.
Durch Kokain
wird die Müdigkeit unterdrückt und der Schlaf kann sehr
lange hinausgezögert werden. Das sexuelle Verlangen wird
of -, besonders bei anfänglichem Konsum -- gesteigert. Da
durch Kokain das Hungergefühl unterdrückt wird, ist
gerade in der Modelszene Kokain als Appetitzügler sehr beliebt.
Darüber hinaus führt es durch die Beschleunigung der
Körperfunktionen auch bei gleichbleibender Nahrungsaufnahme
zu einem Gewichtsverlust.
Gefahren
Bei Unverträglichkeit
kann es bereits bei kleinsten Mengen zu einem sogenannten Kokainschock
kommen. Dabei verlangsamt sich der Puls und das Gesicht wird extrem
blass. Weiters können Angstzustände auftreten. Bei häufigem
Konsum können diese abstrakten Ängste Gestalt annehmen
- Wahnvorstellungen und Paranoia entstehen. Besonders Risikopersonen
können Schlaganfall oder Herzinfarkt erleiden. Eine weitere
Gefahr stellt die Überschätzung der eigene körperlichen
Leistungsfähigkeit dar, was bei andauernder Überbelastung
zu bleibenden Schäden führen kann.
Vom Mischkonsum
mit anderen Substanzen ist generell abzuraten. Besonders mit MAO-Hemmern,
wie z.B. Ecstasy, kann es zu lebensbedrohlichen Wechselwirkungen
kommen.
Überdosierung
Meist ist
die Ursache für eine Kokainüberdosierung, dass Konsumenten,
die gestrecktes Kokain gewohnt sind, auf reines ungestrecktes
Kokain stoßen. Doch auch bei besonders hohen Dosen besteht
meist keine akute Lebensgefahr. Es können Kopfschmerzen,
Übelkeit und Krämpfe auftreten. Pulsfrequenz, Blutdruck
und Atmung werden gesteigert. Die Körpertemperatur kann auf
bis 42°C ansteigen. Lebensbedrohliche Zustände sind zwar
eher selten, doch besonders bei bestehenden Herzproblemen sind
Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris oder sogar Herzinfarkt
möglich. Bei besonders hohen Dosen können auch Kreislaufversagen,
Bewusstlosigkeit oder Koma eintreten. Als Gegenmittel kann man
alle 15 Minuten 20mg Diazepam ("Valium") verabreichen,
bis eine Beruhigung eintritt. Bei schweren Kreislaufproblemen
ist unbedingt ein Arzt zu rufen, der Alpha-Rezeptoren-Blocker
wie Tolazolin intramuskulär injizieren sollte.
Zum Schmuggeln
von Kokain werden oft kleine mit Kokain gefüllte Kugeln mit
geschluckt, die normalerweise nach Überquerung der Grenze
wieder ausgeschieden werden. Manchmal passiert es, dass diese
Kugeln im Darm platzen. Dem Drogenkurier ist in diesem Fall meistens
nicht mehr zu helfen, da das Kokain schnell in den Blutkreislauf
gelangt und die Menge in den Kugeln meist letal wirkt.
Chronischer
Missbrauch
Regelmäßiger
Kokainkonsum kann sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit
führen. Körperliche Abhängigkeit tritt nicht auf.
Da es zu einer hohen Toleranzentwicklung gegenüber der Droge
kommt, muss die Dosis immer weiter erhöht werden, um den
gleichen Effekt zu erzielen. Besonders, wenn man in Gesellschaftsschichten
und Freundeskreisen verkehrt, wo gerne Kokain konsumiert wird,
fällt das Absetzen schwer. Zur Sucht kommen hier Gewohnheit
und Gruppenzwang. Wenn der Süchtige Beschaffungsprobleme
hat geht die Sucht meist sozialem Abstieg und zusätzlichen
Mangelerscheinungen einher. Allerdings treibt die Kokainsucht
den Abhängigen nicht soweit, wie die noch schwerere Heroinsucht,
bei der auch die physische Abhängigkeit als zweite Komponente
hinzukommt.
Bei Chronischem
Missbrauch kommt es meist zu einem allgemeinen körperlichen
Verfall und Verminderung der Abwehrkräfte aufgrund von Schlafmangel
und Vernachlässigung der Ernährung. Häufig treten
verschiedene Störungen des Nervensystems auf, die verschiedene
visuelle, sensorische und motorische Störungen verursachen.
Sehstörungen und Leberschäden können auftreten.
Die Schädigung des Gefäßsystems kann zu Hirnblutungen
und Hirninfarkten führen. Sexuelles Desinteresse und auch
Impotenz können sich einstellen. Kokainsüchtige können
einen unberechenbaren Charakter entwickeln und an erheblichen
Stimmungsschwankungen, Verfolgungsängsten und weiteren psychischen
Problemen bis hin zur Schizophrenie leiden. Die Selbsteinschätzung
wird zunehmend unrealistischer und Größenwahn kann
sich einstellen. Außerdem ist wird durch das Schnupfen von
Kokain die Nasenschleimhaut sehr stark gereizt. Bei langjährigem
Konsum kann es sogar zu einer Zersetzung der Nasenscheidewand
kommen.
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