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In der europäischen
und amerikanischen Jugendkultur ist Cannabis sehr weit verbreitet;
von Beginn der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre war ein kontinuierlicher
Anstieg im Konsum unter Jugendlichen festzustellen, der aktuell
die Höchstwerte aus den frühen 1970er Jahren
deutlich übersteigt. Parallel hierzu wurde Cannabis seit
den 1990er Jahren in diversen Jugendkulturen thematisiert, vor
allem im Hip-Hop und Reggae, zudem auch in Filmen und Literatur.
Unter vielen Jugendlichen hat sich dabei eine Beiläufigkeit
des Konsums eingestellt. Dem gegenüber war in der Frühzeit
des über jugendkulturelle Botschaften propagierten Cannabiskonsums
Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre noch ein stärker
ritualisierter Konsum zu beobachten. Außerdem hat in den
gegenwärtig über Jugendkulturen vermittelten Bildern
von Cannabis die in der Hippiezeit noch vordergründige
Funktion der Droge als Symbol der Rebellion stark an Wirksamkeit
eingebüßt.
Cannabis
bei Jugendlichen hoch im Kurs
Die Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) führt seit
1973 in regelmäßigen Abständen die Repräsentativbefragung
Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik
Deutschland durch. Für diese Befragungen werden bundesweit
etwa 3.000 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren dem Zufall
nach ausgewählt und befragt. Die Ergebnisse der im Jahr 2004
durchgeführten Erhebung zum Konsum illegaler Drogen von Jugendlichen
liegen nun vor.
Illegale Drogen
gehören heute zu den Alltagserfahrungen junger Menschen.
Ein Drittel (32 Prozent) der 12- bis 25-Jährigen hat schon
einmal Drogen probiert, 1979 waren das 16 Prozent. Drogenkonsum
ist hauptsächlich Cannabiskonsum. 24 Prozent der Jugendlichen
haben ausschließlich Haschisch oder Marihuana genommen.
Die Akzeptanz für Cannabis unter Jugendlichen ist deutlich
gestiegen. 8 Prozent haben auch andere Rauschmittel konsumiert
wie Amphetamine (4 Prozent), Ecstasy (4 Prozent), psychoaktive
Pflanzen und Pilze (4 Prozent), Kokain (2 Prozent) oder LSD (2
Prozent).
Für die
meisten der Drogen konsumierenden Jugendlichen (32 Prozent) ist
der Suchtmittelkonsum eine kurze Phase. 13 Prozent der 12- bis
25-Jährigen haben in den letzten 12 Monaten Drogen konsumiert,
bei 19 Prozent liegt der Drogenkonsum länger als ein Jahr
zurück.
Die Hälfte
der 12- bis 25-Jährigen hat schon einmal Drogen angeboten
bekommen, 80 Prozent davon haben jedoch das erste Angebot abgelehnt.
Grundsätzlich lehnt die Hälfte der jungen Menschen den
Konsum illegaler Drogen grundsätzlich ab. Seit Mitte der
80er Jahre ist der Anteil der drogenresistenten Jugendlichen rückläufig.
1986 wollten noch 66 Prozent auf keinen Fall Drogen nehmen. Diese
Entwicklung ist ausschließlich auf eine zunehmend positive
Einstellung zu Cannabis zurückzuführen. Die Distanz
der Jugendlichen zu anderen Drogen ist unverändert sehr groß.
Eine wichtige
Rolle für den Konsum illegaler Drogen spielen Tabak und Alkohol.
Jugendliche, die rauchen und Alkoholrauscherfahrung haben nehmen
deutlich häufiger Cannabis als Nie-Raucher und Alkoholrauschunerfahrene.
Der
Anstieg des Cannabiskonsums in der jüngeren Bevölkerung
gibt uns ernsten Anlass zur Sorge, so die Direktorin der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Jährlich
begeben sich rund 15.000 Menschen im Zusammenhang mit Cannabismissbrauch
in eine Behandlung. Wir müssen deshalb in der jungen Bevölkerung
noch stärker als bisher bekannt machen, dass Cannabis keine
Spaßdroge ist, sondern wesentliche gesundheitliche Risiken
nach sich zieht.
Zahlen
zum Cannabiskonsum
Der Epidemiologische Suchtsurvey Berlin2006 zeigt, dass 35,7%
aller Befragten jemals,9,8% während der letzten 12 Monateund
5,6% innerhalb der letzten 30 Tage
Cannabis konsumiert haben. Bei den jungen Erwachsenen zwischen
18 und 24 Jahren liegen die Erfahrungen mit Cannabis mit
48,7% bzw. 26,1% bzw. 17,6% noch deutlich höher.
Die europäische Schülerstudie aus dem Jahre 2007, die
12.448 Schüler/innen aus 9. und 10. Klassen bundesweit befragte,
stellte fest,
dass 25% der Schüler/innen jemals und 8% innerhalb der letzten
30 Tage Cannabis konsumiert haben. Es berichteten mehr Jungen
als Mädchen von einem mindestens einmaligen Cannabiskonsum
(30% vs. 21%). Jungen zeigten auch ein viermal höheres Missbrauchsverhalten
von Cannabis als Mädchen (1,6% vs. 0,4%).3 Das durchschnittliche
Alter des Erstkonsums von Cannabis ist seit 1993 kontinuierlich
gesunken und lag laut Drogenaffinitätsstudie der BZgA im
Jahre 2004 bei 16,4 Jahren.
Den im Oktober 2008 veröffentlichten ersten Ergebnissen der
aktuellen Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher zu Folge
sind inzwischen
sowohl die Lebenszeitprävalenz als auch der regelmäßige
Cannabiskonsum
bei den 12 bis 25-jährigen rückläufig.4 Für
die Mehrheit der Konsumierenden ist der
Gebrauch von Cannabis ein vorübergehendes Phänomen.
Allerdings entwickeln sich
bei einem Teil der Konsumierenden problematische Konsummuster.
So belegen aktuelle Untersuchungen, dass bundesweit die Zahl der
Cannabisabhängigen auf 220.000 gestiegen ist und weitere
380.000 eine Cannabismissbrauchsdiagnose aufweisen.
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