| Akute Rauschwirkung
Die akuten
Wirkungen von Cannabis können je nach Person, Wirkstoffanteil,
momentaner körperlicher und psychischer Verfassung, Erfahrung
mit der Droge sowie Umfeldbedingungen sehr unterschiedlich sein.
Eine Schwierigkeit für Konsumenten besteht darin, dass die
gleiche Menge THC bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken
kann. Auch bei demselben Mensch kann die Wirkung der gleichen
Dosis zu verschiedenen Zeitpunkten variieren. Diese Problematik
wird durch die unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen und
die (aus Illegalitätsgründen) fehlenden zuverlässigen
Inhaltsangaben noch verstärkt. Dies alles führt dazu,
dass der Konsument die zu erwartende Wirkung nicht immer verlässlich
einschätzen kann und damit ein begrenztes Risiko eingehen
muss.
In der Regel
ist als akute Auswirkung eine gewisse Bewusstseinsverschiebung
festzustellen, die assoziatives, sprunghaftes Denken und eine
Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses mit sich
bringt. Diese Bewusstseinsveränderung kann je nach Bedingungen
sehr positive, aber auch sehr negative Empfindungen hervorrufen.
Häufige körperliche Effekte sind gerötete Augen,
Mundtrockenheit, gesteigertes Hungergefühl, Erhöhung
des Pulses, Senkung des Blutdrucks und Müdigkeit bzw. Antriebslosigkeit.
Cannabis enthält
Substanzen, die bislang nur in der Hanfpflanze gefunden wurden.
Es sind die so genannten Cannabinoide, von denen einige psychoaktive
Wirkungen haben. Das bekannteste Cannabinoid ist das Delta-9-Tetrahydrocannabinol,
das der Einfachheit halber als THC bezeichnet wird. Weniger bekannt
ist vielleicht die Tatsache, dass in der Pflanze nur wenig aktives
THC enthalten ist. In der Hanfpflanze liegt THC überwiegend
in seiner inaktiven Form, der Tetrahydrocannabinolsäure (THCA)
vor. THCA selber hat keine psychoaktive Wirkung. Dazu muss sie
durch Erhitzung in das wirksame THC umgewandelt werden. Dies geschieht
etwa beim Rauchen von Marihuana in der mehrere Hundert Grad heißen
Glutzone. Dieser chemische Prozess kann auch - allerdings in einem
etwas geringeren Maße - beim Backen beispielsweise von Cannabis-Plätzchen
erzielt werden.
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Rauchen
oder Essen?
Der Eintritt der Wirkung und der Wirkungsverlauf hängen nun
unter anderem von Art der Aufnahme ab. Wird Cannabis geraucht, wird
der Wirkstoff THC sehr rasch über die Atemwege aufgenommen.
Erste Anzeichen eines Rausches treten nach wenigen Sekunden bis
Minuten auf. Nach etwa 15 bis 30 Minuten erreicht die Wirkung ihr
Maximum, um dann innerhalb von 2 bis 3 Stunden wieder abzuklingen.
Damit es zu einer Wirkung kommt, sind zwischen 2 und 22 Milligramm
THC notwendig. Davon wird nur ein Bruchteil, etwa 2 bis 44 Mikrogramm
(tausendstel Gramm), tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke passieren.
Bei der oralen
Aufnahme - durch das Essen oder Trinken von Cannabiszubereitungen
- wird das THC hingegen sehr viel langsamer vom Organismus aufgenommen.
Zudem ist weniger aktives THC enthalten. Die Wirkung unterliegt
bei der oralen Aufnahme zwar einer zeitlichen Verzögerung,
der Rausch kann aber sehr plötzlich eintreten und eine andere
Qualität aufweisen. Manche Konsumierende können durch
den plötzlich und intensiv eintretenden Rausch psychisch
überfordert werden. Im Extremfall erleben sie das, was umgangssprachlich
als Absturz bezeichnet wird. Allerdings unterliegt
der Cannabisrausch ohnehin einer hohen Variabilität, die
von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird.
Das endogene
Cannabinoidsystem
Warum hat THC nun überhaupt eine Wirkung? Dies liegt daran,
dass es im Gehirn an bestimmten Bindungsstellen andockt, den so
genannten Cannabinoid-Rezeptoren. Von diesen Rezeptoren existieren
zwei Haupttypen, die CB1- und CB2-Rezeptoren. Letztere wurden
im Körper bislang nur außerhalb des Gehirns gefunden
und haben eine wichtige Funktion für das Immunsystem. Der
Cannabisrausch wird über CB1-Rezeptoren im Gehirn vermittelt.
Normalerweise docken daran körpereigene Substanzen, so genannte
Endocannabinoide. Die bekanntesten dieser Bindungsstoffe sind
die Anandamide, von denen man annimmt, dass sie eine natürliche
Rolle bei einer Vielzahl von Funktionen des menschlichen Organismus
spielen, wie etwa beim Gedächtnis und der Schmerzverarbeitung,
bei Immunfunktionen und bei der Fortpflanzung.
Kein CBD
in hochpotentem Cannabis
Eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt ein weiteres Cannabinoid,
das Cannabidiol, abgekürzt CBD. Cannabidiol ist ein Abbauprodukt,
das entsteht, wenn Cannabis längere Zeit gelagert oder erhitzt
wird. Cannabidiol selber hat keine psychoaktive Wirkung, es kann
aber den Rausch, der durch THC erzeugt wird, abmildern. Konsumierende
fühlen sich dann eher entspannt bis schläfrig. Hat Cannabis
einen besonders geringen CBD-Anteil, kann der Rausch stärker
halluzinogen sein. Analysen von Marihuana, das in so genannten
Indoor-Anlagen gezüchtet wurde, haben zeigen können,
dass der THC-Anteil tatsächlich deutlich höher ist.
Hingegen enthält das hochpotente Cannabis nur geringe, teilweise
sogar gar kein CBD. Dabei ist nicht auszuschließen, dass
durch die deutlich intensivierte Rauschqualität das Risiko
erhöht wird, eine Psychose zu entwickeln. Denn Studien haben
zeigen können, dass das Risiko einer Psychose mit der Intensität
des Cannabiskonsums in Zusammenhang steht.
Lange Nachweisdauer
Der Abbau von THC dauert Tage bis Wochen. Da das THC fettlöslich
ist, lagert es sich leicht in fettstoffreichem Gewebe - wie dem
Gehirn - an und wird dort nur langsam abgebaut. Die Dauer des
High-Gefühls deckt sich aus diesem Grund nicht
mit dem Nachweis von THC und seinen Abbauprodukten in Blut und
Urin. Während der Rausch längst vorbei ist, kann Cannabiskonsum
so noch nachgewiesen werden, mit möglichen Konsequenzen im
Rahmen von polizeilichen Verkehrskontrollen.
Der Nachweis
eines Cannabiskonsums kann durch die Untersuchung von Urin, Blut,
Speichel oder Haaren geführt werden. Im Speichel kann der
relativ kurz zurückliegende Konsum möglicherweise bis
zu 24 Stunden nachgewiesen werden. Im Blut oder Urin kann man
die Substanz etwa bis zu einem Monat nachweisen. Eine genaue Angabe
ist kaum möglich, da der Abbau individuellen Schwankungen
unterliegt und vor allem von der Konsumintensität abhängt.
Bei regelmäßigem Konsum kommt es wegen der Anlagerung
im Fettgewebe zu deutlich längeren Nachweiszeiten, als beim
seltenen Konsum. Eine Nachweisdauer von über drei Monate
im Urin ist möglich.
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