| Nur wenige
hundert Meter entfernt vom Amsterdamer Zentrum - und doch noch immer
ein Geheimtipp: das Szeneviertel "9 Straatjes", ein Paradies
für Shopper: flippige Mode, schräge Handtaschen, schrille
Schuhe - und jede Menge Skurrilitäten.
Amsterdam
- Schmal und unscheinbar ist die Runstraat zwischen Keizersgracht
und Prinzengracht, den beiden elegantesten Grachten-Kanälen
von Amsterdam. Auf den kaum mehr als 200 Metern drängt sich
Laden an Laden. Ganz Normales gibt es hier zu kaufen, und auch
ganz Ungewöhnliches.
440 verschiedene
Sorten Käse bietet beispielsweise das Geschäft von Loek
de Loor an. "De Kaaskamer", das Käsezimmer, nennt
Mijnheer de Loor seinen Laden dennoch ziemlich bescheiden. Kreisrunde
Käselaibe aus Edam wetteifern mit Rohmilchkäsen aus
Frankreich und Stücken aus der Schweiz. Liebhaber finden
selbst Milchprodukte aus Norwegen und Schweden in de Loors Laden.
Gleich nebenan
residiert "De Witte Tanden Winkel", was frei übersetzt
etwa "Das Geschäft der weißen Zähne"
heißt. Mehr als 50 verschiedene Zahnpasten bietet das Spezialgeschäft
an. Da gibt es solche mit Minze- oder Kräutergeschmack, andere
mit Anis- oder Lemon-Note. Dazu gesellen sich Zahnbürsten
jeder Art, manche sind für Babys oder Linkshänder gedacht.
"Die Kunden kommen aus der ganzen Welt. Bei uns werden sie
garantiert fündig", sagt Verkäuferin Claartje Michels.
"9-Straatjes" erwacht aus Schattendasein
"De Kaaskamer"
und "De Witte Tanden Winkel" sind nur zwei der vielen
kleinen Läden im Stadtviertel der "9 Straatjes"
zwischen Singel-, Heren-, Prinsen- und Keizersgracht. "Diese
Grachten wurden im 'Goldenen Jahrhundert' ab dem Jahr 1612 im
Halbkreis rund um das alte Stadtzentrum gegraben. Dort bauten
die wohlhabenden Kaufleute und Seefahrer ihre stattlichen Herrenhäuser.
Und die Handwerker bezogen die Häuser in den kleinen Verbindungsstraßen,
den 9 Straatjes", erläutert die Kunsthistorikerin Bregtje
Viergever.
Lange Zeit
führten die neun Straßen ein Schattendasein: Reestraat,
Hartenstraat, Gasthuis Molenstraat, Berenstraat, Wolvenstraat,
Oude Spiegelstraat, Runstraat, Huidenstraat und der Wijde Heisteegh
galten nicht als Quartier zum Einkaufen. Doch in den neunziger
Jahren siedelten sich mehr und mehr Läden dort an, und heute
ist das Viertel eine der besten Gegenden zum Einkaufen in Amsterdam
- für flippige Damenmode, schräge Handtaschen, schrille
Schuhe, Kinderbücher und Küchenutensilien, aktuelles
Wohndesign und exotischen Schmuck ebenso wie für Antiquitäten
und allerlei Trödel, Tand und Krimskrams.
Winzige "Tante-Emma-Läden"
bieten bis in die Nacht Lebensmittel an. Es gibt ökologische
Bäckereien und Metzgereien, superschicke Friseursalons und
einen Whiskyladen mit mehr als 300 Sorten. Überall laden
Bistros und Cafés zu Pausen ein. "Die Straatjes sind
zwar nur ein paar Hundert Meter vom Zentrum entfernt. Dennoch
verirren sich nur wenige Touristen hierhin. Selbst manchen Amsterdamern
sind sie unbekannt", hat Stadtführerin Bregtje Viergever
beobachtet.
Die Szene
der "9 Straatjes" ist ständig in Bewegung. "Wo
gestern noch kein Shop war, hat vielleicht heute schon wieder
ein neuer Laden mit schriller Mode eröffnet. Alles kommt
und geht, Amsterdam ist bunt und vielfältig", lautet
Viergevers Fazit aus vielen Rundgängen.
Auch außerhalb
der "9 Straatjes" locken Läden, Wochenmärkte
und Designershops zum Stöbern. Mit mehr als 5500 Geschäften,
165 Antiquitätenläden, 26 Wochenmärkten und einem
Blumenmarkt ist das Angebot riesengroß und reichhaltig.
Die Geschäfte haben meist von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet,
donnerstags bis 21.00 Uhr. Die großen Warenhäuser sind
am Damrak, an Kalver- und Leidsestraat. "Doch da kaufen vor
allem die Leute aus der holländischen Provinz ein, echte
Amsterdamer eher nicht", erzählt Viergever.
"Wonderwood"
heißt Wiet Hekkings Eckladen an der Ruslandstraße.
Hekking verkauft seit vielen Jahren Stühle, und zwar ausschließlich
geleimte, kostbare Einzelstücke skandinavischer, französischer
und italienischer Designer aus den vierziger und fünfziger
Jahren. Die neuesten Kreationen junger holländischer Formengestalter
sind dagegen in der benachbarten Staalstraat bei "Droog Design"
zu bewundern.
Kontraste:
Exklusive Shops und einfache Märkte
Wer wissen
will, wo die Amsterdamer für ihren Alltag einkaufen, sollte
den Markt in der Albert Cuypstraat im Stadtviertel De Pijp besuchen.
"Das ist unser Markt", sagt Els Wamsteeker von der lokalen
Tourismuszentrale. "De Cuyp" wird an jedem Werktag aufgebaut
und bietet von 9.00 bis 17.00 Uhr Wintersocken ebenso wie Südfrüchte,
fangfrischen Fisch, Vinyl-LPs und kostbare Stoffe für Brautkleider.
Den schicken
Kontrast zum bodenständigen "Cuyp"-Markt bietet
die noble P.C. Hooftstraat nahe des Reichsmuseums. Dort reihen
sich die exklusiven Shops von Armani, Baldessarini, Boss und Rolex
aneinander. "Am besten fahren Sie gleich mit dem Jaguar vor,
das kommt in der Hooftstraat besonders gut an", meint Stadtführerin
Bregtje Viergever.
Während
diese Modeshops in vielen europäischen Metropolen zu finden
sind, ist das schräg anmutende Eck-Café "De Taart
van m'n Tante" ("Die Torte meiner Tante") in der
Ferdinand Bolstraat einzigartig: Die bunten, mit Figuren dekorierten
Zuckerbäckereien sind beliebt bei jungen wie betagten Amsterdamern.
Bei der "Tante" treffen sich Freundinnen zum Kuchen-Plausch,
Familienclans feiern hier Kindergeburtstag. Und nur wenig weiter
wird in der Jacob van Campenstraat in der "Fietsfabrik"
an speziellen Fortbewegungsmitteln gewerkelt, etwa am "Bakfiets"
mit drei Rädern und einer großen Transportkiste vor
dem Lenker. In Amsterdams enger Altstadt sind auch Postboten und
Kurierfahrer mit den "Bakfiets" unterwegs.
De Bijenkorf
Ein großes Kaufhaus, das es bereits seit 1914 auf dem Dam
in Amsterdam gibt. De Bijenkorf (Bienenkorb) ist 1870 entstanden
und damit das älteste Kaufhaus der Niederlande.
Magna Plaza
Ein Einkaufszentrum in der Innenstadt von Amsterdam. Das historische
Gebäude der ehemaligen Hauptpost versprüht viel Charme
und bietet vielen verschiedenen Geschäften einen Platz. Der
Magna Plaza befindet sich auf dem Nieuwezijds Voorburgwal 182.
Einkaufszentrum
Kalvertoren
Das an der Kalverstraat 212-220 gelegenes Einkaufszentrum vereinigt
alle großen Marken unter einem Dach.
Kalverstraat
Eine der ältesten Einkaufstraßen der Niederlande. Dort,
wo im Mittelalter noch Vieh durch die Straßen getrieben
wurde, kann man heute nach Herzenslust, Kleidung, Schuhe und Souvenirs
kaufen.
Albert
Cuypmarkt
Der Albert Cuypmarkt befindet sich im Stadtteil De Pijp und ist
der größte und geschäftigste Markt der Stadt.
Hier werden Lebensmittel und Blumen der unterschiedlichsten Art
angeboten. Aber auch günstige Kleidung und Nippes sind hier
zu finden. Der Markt findet von Montag bis Samstag, und von morgens
bis nachmittags statt.
PC Hooftstraat
Mehr als 130 Geschäfte und Boutiquen befinden sich auf der
teuersten Einkaufsstraße der Niederlande. Die PC Hooftstraat
in Amsterdam beherbergt die Niederlassungen aller international
bekannten Designer. Wer mit der Straßenbahn 2, 3, 5 oder
12 fährt, sollte an der Haltestelle Baerlestraat aussteigen.
Leidseplein und Museumsplein befinden sich in Laufabstand.
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