| Die Erforschung
möglicher Risiken des Cannabis-Konsums für Betroffene
sowie die Analyse und Bewertung des internationalen Forschungsstands
zu den pharmakologischen und psychosozialen Auswirkungen des Cannabis-Konsums
sind Aufgaben, die am FU-Institut für Prävention und psychosoziale
Gesundheitsforschung seit vielen Jahren erforscht werden.
Danach sind
die pharmakologischen und psychosozialen Folgen des Cannabis-Konsums
weit weniger dramatisch als bisher angenommen, wie die Studien
belegen (Koautoren: Renate Soellner, FU Berlin, bzw. Karl-Artur
Kovar, Tübingen). Tödliche Überdosierungen sind
weltweit nicht bekannt. Auch die akute Toxizität von Cannabis
ist gering. Niedrige Dosen rufen eine milde Sedierung und Euphorie
hervor. Im Cannabisrausch sind die Sinne geschärft, was subjektiv
als eine gesteigerte Gefühlsintensität wahrgenommen
wird und zu einem verlangsamten Zeitempfinden führt. Häufig
kommt es zu gesteigertem Appetit. Unter akutem Cannabis-Einfluss
ist die Konzentrationsfähigkeit herabgesetzt, ebenso zeigen
sich Leistungseinbußen in der Reaktionsfähigkeit, die
später abklingen.
Der chronische
Konsum ist jedoch nicht frei von Risiken: So kann es zu einer
Beeinträchtigung der Bronchialfunktionen kommen. Außerdem
wirkt Cannabis in der Kombination mit Tabak Krebs erregend. Hormonelle
Beeinträchtigungen sind nicht eindeutig belegt, dennoch sollte
insbesondere in der Schwangerschaft auf einen Konsum von Cannabis
wie auch auf den Konsum anderer Drogen verzichtet
werden.
Der Konsum
von Cannabis führt zu keiner körperlichen Abhängigkeit,
bei ein bis zwei Prozent der Konsumenten jedoch zu einer psychischen.
Dafür ist allerdings in erster Linie weniger die pharmakologische
Wirkung verantwortlich, sondern bereits bestehende psychische
Probleme. Psychosozial vorbelasteten Personen ist deshalb vom
Cannabis-Konsum dringend abzuraten. Zudem ist mit Blick
auf eine mögliche Abhängigkeitsentwicklung der
gleichzeitige Gebrauch mehrerer Drogen und ein chronischer Dauerkonsum
mit Risiken verbunden.
Wer Cannabis
konsumiert, muss vor allem mit zumeist reversiblen, aber doch
Stunden anhaltenden, kognitiven und psychomotorischen Beeinträchtigungen
rechnen. Die Annahme, dass der Konsum von Cannabis dabei eine
Verschlechterung der psychischen Gesundheit nach sich zieht, ließ
sich nicht beweisen. Es zeigt sich aber, dass Menschen mit Problemen
häufiger zu Cannabis greifen als andere. Auch die immer wieder
vorgetragene Ansicht, Cannabis sei eine Einstiegsdroge, findet
keine wissenschaftlichen Belege. Zwar haben opiatabhängige
Personen häufig Cannabis als erste illegale Droge konsumiert,
doch führt die Einnahme von Cannabis keineswegs automatisch
zum Umstieg auf härtere Drogen. Möglicherweise fördert
sogar die Illegalität des Konsums eine Assoziation zu anderen
illegalen Drogen.
Cannabiskonsum
führt anders als vermutet nicht zum Leistungsabfall.
Vielmehr zeigen Studien, in denen Studenten und Schüler stichprobenartig
untersucht wurden, für den größten Teil der Konsumenten
keine geringere Leistungsmotivation oder schlechtere Leistungen
als Nichtkonsumenten.
Die Forschung
bemüht sich in den vergangenen Jahren vermehrt darum, die
therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis beziehungsweise
seiner Inhaltsstoffe und deren synthetischen Abwandlungsprodukte
zu untersuchen. Bislang ist gut belegt, dass THC, Nabilone und
Levonantradol Erbrechen verhindern können, weshalb Cannabinoide
in der Therapie von Krebspatienten eingesetzt werden könnten.
Cannabinoide können außerdem appetitanregend wirken,
weshalb sie bei einem schlechten Allgemeinzustand von AIDS- und
Krebspatienten eingesetzt werden können. Mit der Entdeckung
der Cannabinoid-Rezeptoren eröffnet sich ein weites Feld
für zukünftige Forschungen, zu den Wirkungen und Wirkungsweisen
von Cannabinoiden und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze.
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